Baumwolltaschen-Scheißesturm

Am Abend des 12.11.2014 braute sich im Netz ein klassischer Shitstorm zusammen. Er betrifft Bio-Baumwolltaschen einer deutschen Firma, die in allen Filialen einer bundesweiten Drogeriemarktkette an der Kasse als Pfandtasche verkauft werden.
Besser gesagt, Bio-Baumwolltaschen, von denen viele glauben, dass sie ausschließlich in Deutschland zu besonders sozialen Konditionen produziert würden.
Eine lehrbuchgleiche Entwicklung einer anschwellenden Empörungswelle, ausgelöst durch die Beobachtung einer Person, die gut vernetzt ebenjene mit ihren Kontakten teilte.
Weitere Beteiligte: Eine Social Media Abteilung, die sich vermutlich schon im Feierabend befand, sowie eine Textilunternehmerin, die rasch vermeldete, erstmal Fakten sammeln zu wollen.

Wie üblich sprangen Blogger (hiermit auch Textscheune!)  und diverse Onlinemedien ebenfalls auf den Zug, was den Scheißesturm weiter nährt.
Online generierte Themen sind sehr beliebt weil praktisch, denn man kann alles flugs vom Schreibtisch aus erledigen. Sollten sich Fakten ändern, wird halt editiert.

Kernthema: Wurden gutgläubige Kunden bezüglich der Tasche belogen, weil die Baumwolltasche vorher in zartrosa Marketingversprechen als sozial-ökologischer Knaller aus deutschen Landen – besonders online – überall beworben wurde?
Fakt ist, dass es seit gut zwei Jahren die Originale gibt und inzwischen mindestens einen weiteren Zulieferer (aus dem Ausland), dessen Produkt dem Markenprodukt (?) täuschend ähnlich sieht.
Wollten die Kunden einen nachhaltigen Baumwollbeutel kaufen, oder wollten sie vor allem die Idee des ökosozialen, landesinternen Labels dahinter unterstützen? Vermutlich letzteres, denn allein damit wurde die Tasche beworben. Eine Pfandtasche an sich bietet die Drogeriekette schon jahrelang an. Früher prangten bunte Bilder zum Ausmalen darauf und sie war nur etwa halb so groß.

Merke: Shitstorms sind nicht a) planbar und b) nicht nachhaltig, erregen aber viele Gemüter kurzzeitig sehr.

Bewusst stehen hier außer im Tweet keine Namen oder weitere Verlinkungen. Als zufällige Beobachterin der ersten Minute sehe ich ein perfektes Social Media-Lehrstück!

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