Dorfleben. Stadtleben.

Gastbeitrag von Petra Huber*

Zukunftsfähigkeit. Ein Wort, das nicht nur Bantorf und andere Dörfer umtreibt, sondern auch viele Städte. Zum Beispiel Mannheim. Die Industriestadt, aus der die Söhne Mannheims kommen, die im Rhein-Main-Neckar-Gebiet liegt, einer der ökonomisch attraktivsten Regionen Deutschlands.
Das spricht sich herum. Mannheim nimmt viele Menschen auf, gerne sogar. Das gehört zum kollektiven Bewusstsein unserer Stadt und darauf sind die Mannheimer auch stolz. Wir nehmen Flüchtlinge auf, Menschen, die es vom Dorf aufs Land zieht, Studierende und Berufstätige, und viele mehr. Und es funktioniert, auch wenn es manchmal im Getriebe etwas knirscht.
Denn bei mehr als 300.000 Einwohner (davon knapp 40 Prozent mit Migrationshintergrund), etwa 170 verschiedene Nationalitäten, da gibt es Reibungen, die sich nicht immer spontan in Wärme verwandeln. Allerdings reiben wir uns in unserer Stadtgesellschaft nicht nur an unserer Verschiedenheit, sondern auch an Großprojekten, die Mannheim zukunftsfähig machen sollen. Dazu gehören die künftige Nutzung der Konversionsflächen, die wir gerade von der US Army übernehmen. Der Umbau der Innenstadt. Die geplante Bundesgartenschau. Ein Museumsneubau. Der Investitionsstau bei öffentlichen Gebäuden, dem kommunalen Straßennetz etc. pp. Was ist wichtiger und sinnvoller? Vorhandenes erhalten und Investitionen verschieben? Oder die Quadratur des Kreises versuchen und investieren, um die Attraktivität der Stadt zu erhöhen und im sogenannten „Wettbewerb der Städte“ bestehen zu können?
Bisher hat unsere Stadt immer die Kurve gekriegt. Weil spannende Diskussionen laufen, weil die Bürger mehr und mehr bei wichtigen Entscheidungen mitreden können. Und weil erfreulicherweise einige (leider nicht alle) der Beteiligten über den Tag hinaus denken und nicht an schnellem Geld, sondern an einem nachhaltigen Beitrag für die Zukunft Mannheims interessiert sind.
Statt cosy village also cosy town? Im etwas sperrigen Mannheim, dessen Charme manchmal mit dem Berlins verglichen wird (natürlich ist hier alles viel kleiner, aber wir haben auch viele Kreative und wenig Geld :) ), stellt sich diese Frage nicht. Dazu ist unsere Stadt – wie wahrscheinlich jede Stadt – zu komplex, zu heterogen, zu bunt. Eben nicht wie Bantorf.
Und doch gibt es auch das Kuschelige. Denn der Kitt des Zusammenlebens ist das Dorf in der Stadt: Berliner nennen es Kiez. Wir sagen einfach Stadtteil. Da kennt man sich, da tauscht man sich aus (der Mannheimer ist äußerst kontaktfreudig und spricht gerne und oft selbst wildfremde Menschen an), da hilft man sich, da integriert man Menschen, die neu dazukommen. Mannheim ist meine Stadt und mein Dorf. Und vielleicht ist es das, was am Ende des Tages manche Städte überlebens- und zukunftsfähiger macht als andere: Die Fähigkeit ihrer Menschen, urban zu leben und sich dennoch an einer „Dorflinde“ zu treffen. Bantorf ist also überall …

Petra Huber ist bekennende Mannheimerin, spricht hochdeutsch und dialektisch, redet und schreibt gerne Klartext und liebt es, Neues zu entdecken. Unter dem Namen expedition text sucht sie die richtigen Kommunikationswege für alle, die etwas zu sagen haben, aber nicht genau wissen, wie sie am besten ihr Ziel erreichen.

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