Getrennte Vaterschaft ist Zucker!

Sorry, Mesdames et Messieurs, wenn mir jetzt der Kragen platzt!

Ich bin kaputt und gereizt und das aus gutem Grund. (Fing gestern Abend an zu schreiben, war dann aber zu müde. Wink zu Mutterseelesonnig!)

Hinter mir liegt eine harte Woche mit ganz viel blablabla, interessiert doch im Detail niemanden, und halt der normale Wahnsinn einer alleinerziehenden Mehrfachmutter. Ohne Unterhalt oder andere Unterstützung.

In Berlin scheint derzeit im Familienministerium einiges zu gären, was neue Familienformen, Reformen des Familienrechts und den Status Alleinerziehender betrifft.

NA ENDLICH möchte man schreien. NA ENDLICH schreie ich!

Kein Unterhalt ist kein Kavaliersdelikt

Es kann nicht sein, dass es ein Kavaliersdelikt ist, keinen Unterhalt zu zahlen. Wen es interessiert, dem berichte ich gerne en detail, wie Mann ohne einen einzigen Nachweis jahrelang keinen Cent Unterhalt zahlen braucht. Selbst ein Unterhaltstitel ist genau gar nichts wert. Und gerichtlich verklagt zu werden auf irgendwas bewirkt ebenfalls genau gar nichts. Ende: offen.
Ganz tolle, sinnvolle Gesetze!

Die Außenstände allein für ein Kind hier belaufen sich bereits auf eine fünfstellige Summe.

Phantasiezahlen!

Sie werden nie im Beutel klimpern. Niemals wird das Kind einen dringend nötigen Pulli oder ein Brot gegen seinen Hunger davon kaufen können. Und es passiert dem Unterhaltsschuldner gar nichts, wenn er sich nur ein wenig clever anstellt.

Bei den anderen Kindern gibt es nicht mal Unterhaltsschulden. Seitdem die Schwelle der Unterhaltsberechnung für sie erreicht wurde, schweigt der Vater. Das reicht  laut Beistandschaft (angesiedelt immer beim zuständigen Jugendamt), um „leider“ nichts feststellen zu können. Keine Angaben zu Verdienst und Vermögen = kein Unterhalt. Und noch nicht mal fiktiv auflaufende Schulden.

So unglaublich einfach.

Fazit der zuständigen Beistandschaft: ich (Mutter) soll den armen Kerl (Vater) in Ruhe lassen und die Mitarbeiter nicht in ihrem Büroschlaf stören.

Ja, ich finde durchaus, dass an solchen Dingen von Berlin her endlich gearbeitet werden muss. 

Umgang nur, wenn Vater Lust hat

Umgang ist ein anderes beliebtes Thema bei getrennten Eltern*:

Mütter werden für alles verantwortlich gemacht. Umgang muss zu den Konditionen des Vaters stattfinden. Wenn er kann oder will, gut. Wenn nicht, dann muss Mutter ihn schon sein Leben leben lassen. Er hat bitteschön auch ein eigenes Leben. (O-Ton Jugendamt!) Aber die Mutter muss die Kinder parat halten und positiv auf den Umgang einstimmen, sobald der Vater „Zeit hat“. Wenn die Mutter die Kinder nicht jederzeit für Umgang parat hält, drohen ihr Sanktionen. Es zerrt unvorstellbar an den Nerven!

Wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht so schreiben würde, wenn es nur meinen privaten Fall beträfe. In den letzten Jahren stellte ich aber fest, dass es gängig ist. Getrennte Väter haben viele durchsetzbare Rechte und kaum durchsetzbare Pflichten, getrennte Mütter können sich aufreiben aber bekommen weder Recht noch Zuspruch.

Heute

Heute kann ich einen kurzfristig (gestern) bekannt gegebenen Termin der Schule (vormittags …) nicht wahrnehmen, nehme mir frei für Arzttermine (Kinder), melde ein Kind für den Konfirmandenunterricht an, wofür die gerichtlich erlangte Zustimmung einen Monatslohn kostete (wegen Sorgerecht gefragt werden gerne, Zustimmung durch Schweigen verweigern ebenfalls gerne, aber auf keinen Fall der absolut alleine Sorge tragenden Mutter eine Vollmacht geben!) und regele und bezahle diverses andere. Wofür auch bei 10 – 14-jährigen jungen Menschen durchaus Eltern verantwortlich sind. Denn Kinder können noch längst nicht alles alleine.

Mütter werden für alles verantwortlich gemacht

Zusammengefasst meine Erfahrungen der letzten Jahre:

Finanziell ist es mein mütterliches Alleinrisiko, Kinder zu haben und dafür aufzukommen. Dem Vater ist ja nicht zuzumuten, so viel zu verdienen, dass auch noch Unterhalt für seine Kinder übrig bleibt. Beziehungsweise noch viel weniger ist ihm zuzumuten, Auskunft über seine Einkunft zu geben.
Gott sei Dank ist es der betreuenden Mutter zuzumuten. Übrigens, gerade hörte ich von einer Alleinerziehenden, die für ihr Familieneinkommen arbeitet (auch kein Unterhalt) und vom Jugendamt wegen Kindesvernachlässigung drangsaliert wird. HALLO?!

Dass Mütter auch noch verantwortlich sind für nicht stattfindenden Umgang, weil Väter sich spontan ausruhen müssen, in Urlaub fahren, Schnupfen haben oder mehr Bock auf Fußball als auf eigene Kinder, ist selbstredend. Kinder auffangen, Alternativangebote machen und sie auch dem Vater bitte deutlich engagierter hinterhertragen!
Hätte ich nicht gedacht. Aber eine Menge mündliche Bemerkungen von unserem und anderen Jugendämtern bestätigen das.
Komisch, dass es sowas nie schriftlich gibt, nech?

Wie oben erwähnt, wenn es nur in unserem Fall so wäre, würde ich das nicht thematisieren. Ein Vater hält sich zu 100% raus aus dem Alltag mit HausaufgabenZahnspangenkostenTrainingsterminenMathearbeitlernenderHundisttotwelcherSchulzweigistderrichtigeElternabendeundBerufsfindungBauchwehundFußgebrochen, aber er hat unantastbare Rechte, vor allem ein starkes Vetorecht bei Sorgerechtsthemen.

Unmöglich! Scheiße! Ja, richtig Scheiße ist das!

Und über Geld brauchen wir nicht reden, da lassen wir lieber den armen Kerl in Ruhe. Denn wir wuppen das ohnehin besser.

Getrennte Vaterschaft ist doch echt Zucker!

 

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*Es sind zu 90 Prozent Mütter, die alleinerziehend sind, das reicht, um im Text von Müttern zu sprechen.

12 Gedanken zu „Getrennte Vaterschaft ist Zucker!

  1. Ich kann das nur bestätigen. Möchte der Staat Geld vom Bürger haben, ist es absolut kein Problem, den Bürger nackig zu machen, alles zu erfragen beim FA / Banken etc. Geht es um des Staates Kinder, ist das plötzlich alles ein riesen Problem. Vermutlich bekommt der Staat auch da eine Art Vaterrolle zugewiesen, denn auch sonst zieht er sich ja hervorragend aus der Verantwortung (nur max. 6 Jahre Unterhaltsvorschuss, verrechnet mit dem Kindergeld etc.). Was mich wirklich stört: es geht bei dem alles nicht ums Kindeswohl. Man kann Kinder zwingen, ihren Vater zu sehen, aber den Vater nicht zwingen, seiner Verantwortung nachzukommen. Das ist schon bitter – an allererster Stelle für die Kinder. Kindeswohl definiere ich anders.

  2. Das kenne ich leider nur zu gut. Der Kv hatte sehr sehr gut verdient, aber von Anfang an Schwierigkeiten gemacht. Trotz Unterhaltstitel jahrelang nicht gezahlt, bei der Pfändung einfach das Konto gewechselt. Der nächste Gerichtstermin ließ ein Jahr lang auf sich warten, obwohl ich aufgrund der Beeinträchtigungen beider Kinder dringend auf den Unterhalt angewiesen war, da ich wegen der vielen Kh Aufenthalte nicht arbeiten gehen konnte. Tja ersehnter Gerichtstermin hat Ihm noch mal Bedenkzeit gegeben, die er dann auch fluchs genutzt hat um sich nach USA abzusetzen. Und dahin will erst recht keiner hin vollstrecken…. Er lebt mit neuer Frau in der Stadt seiner Träume, tja und ich zahle noch immer die Gerichtskosten ab…

  3. Ja, auch mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich so was sehe, lese, höre – um mich herum überall. Meinem Ehemann übrigens auch.
    Was sind das für Väter? Wie können sie noch in den Spiegel schauen? Wie nachts schlafen? Egal, was sie von der Mutter ihrer Kinder halten – ein Kerl, der Eier in der Hose hat, sorgt für seine Kinder. Der tut alles, um auch nach der Trennung noch ein guter Papa sein zu können! Der ist bestimmt traurig oder wütend, dass die Beziehung zur Frau nicht gehalten hat – aber die Beziehung zu den Kindern, um die kämpft er. Warum wird das Sich-Drücken der Vielen nicht gesellschaftlich sanktioniert? Warum treten Arbeitgeber, deren Angestellte sich so offensichtlich vor der Erziehungs- und Unterhaltspflicht drücken, diese Luschen nicht in den Allerwertesten? Warum kaufen Familien bei Unternehmern, die ihre Exfreundinnen bzw. -frauen und Kinder hungern lassen? Warum schmeißen Freunde solche Kerle nicht aus ihrer Clique? Wieso lassen potenzielle Freundinnen die nicht abblitzen?
    Und wieso zeigen Richterinnen Verständnis für Väter, die nach der Trennung plötzlich nicht mehr so viel arbeiten können, weil sie so fertig sind – und die Mütter (gar nicht fertig, nein, Frauen doch nicht!) sollen zeitgleich nicht nur die Kids allein erziehen, sondern auch den Familienunterhalt allein verdienen? (So passiert das gerade bei zwei Freundinnen. Ich könnte …) Klar gibt es auch Mütter, die die Väter ihrer Kinder ausnehmen, hinters Licht führen, Spielchen spielen, was Betreuungszeiten angeht. Klar sind nicht alle Frauen Engel. Aber so, wie es jetzt läuft, leiden die Frauen und Kinder am allermeisten. Eine Riesensauerei. Lasst uns dagegen angehen.

    1. Liebe Petra, das möchte ich nun auch: dagegen angehen.
      Es gibt immer Ausnutzer auf allen Seiten, solange es die Möglichkeiten eben gibt. Aber dass Schlupflöcher so lasch sind wie in diesem Fall: „Einer sagt nichts, also kann man nichts machen.“ darf nicht mehr sein!
      Lies mal den unglaublich krassen Fall der Kommentatorin nach dir! Hätte nicht gedacht, dass es das wirklich gibt. Aber sie ist mir persönlich bekannt, das stimmt leider.
      Deine Argumente finde ich auch gut: in meinen Cliquen z.B. befinden sich solche Kerle nicht mehr. Sobald ich das zwischen den Zeilen rauslesen kann, „nulliert“ sich mein Interesse an jeglichem Kontakt. ;)

  4. Der Vater meiner Kinder wurde sogar per Beugehaft zur Auskunft über seine finanziellen Verhältnisse gezwungen, machte im Knast allerdings deutlich, dass er von seiner neuen Frau ernährt wird – und das war’s dann! Schade! Dann wurde er per Gericht aufgefordert, seine Arbeitskraft so einzusetzen, dass er in der Lage ist, Unterhalt zu zahlen! Klappte leider auch nicht, er schläft gerne etwas länger! Ich habe zwei Titel! Was soll ich damit, wenn erstmal die anderen Gläubiger ausgezahlt werden, wenn plötzlich ein paar Euro auftauchen? Fazit: Er kümmert sich um nichts! Er zahlt keinen Cent! Was ihm irgendwelche Anwälte schreiben, interessiert ihn nicht! Denn: Pack mal einem nackten Mann in die Tasche! Sagt es und geht mit seiner Frau zum kleinen Italiener an der Ecke! Als es schließlich nur noch darum ging, dass die Kinder den Namen ihrer Mutter annehmen wollten, mit der sie ja immerhin 365 Tage im Jahr verbringen und die ihnen so etwas wie Familienleben vermittelt, verweigerte er die dafür notwendige Unterschrift mit der Begründung: Kinder brauchen eine Identität!

    1. Krass!!! Das ist in meinen bescheidenen Äuglein, gesellschaftliche Mittelschicht, das maximale Ausmaß, was ich mir an Unbillen in dieser Art vorstellen kann! Eigentlich hielt ich es für unmöglich. Offenbar leider nicht. q.e.d.

  5. Ein Kommentar per Mail von einem Vater, der anonym bleiben möchte:
    „Hallo! Danke für den Text, das ist sehr interessant. Ich habe schon
    häufig von solchen Fällen gehört und bestärkt meinen Verdacht, daß der
    Gesetzgeber von verschiedenen Seiten Mist baut. Bei mir ist es nämlich
    genau anders herum: Meine Kinder leben mit mir 43% der Zeit, ich hätte
    sie gern 50%, zusätzlich bin ich voll unterhaltspflichtig und zahle so
    viel Unterhalt für meine Kinder, daß der Lohn für mich und die Kleinen
    nicht mehr reicht und ich über SGBII aufstocken muss. Deshalb mag ich
    die Verallgemeinerung „ein Vater“ in dem obenstehenden Text nicht so.
    Mag sein, daß es überwiegend so läuft wie bei dir, aber halt nicht
    immer, ich habe in den letzten Jahren viele Väter kennengelert die
    darum kämpfen, ihr Kinder mehr sehen zu können. Was mich sehr wundert:
    In den Schreiben von der Beistandsschaft steht, daß gerichtliche
    Maßnahmen ergriffen werden, wenn man nicht fristgemäß sein Einkommen
    meldet. Sind das denn leere Drohungen? Warum machen die das nicht? Und
    hast Du nicht die Möglichkeit, Dich an die Unterhaltsvorschußkasse zu
    wenden, oder sind die Kinder zu alt dafür? Warum die
    Unterhaltsvorschußkasse nur bis zum 12. Lebensjahr zahlt, ist mir
    allerdings ein Schleier.“

    1. Hallo anonymer Vater,
      danke für deinen Kommentar! :-)
      Unterhaltsvorschuss ist nach 6 Jahren zu Ende. Offenbar bestehen wenige Möglichkeiten, den Zahlungspflichtigen wirklich zu zwingen. Zumindest, wenn einem Gerichtsverfahren etc. auch schnuppe sind. Den einen kratzen Zwangsmittel wie Beugehaft, aber anderen ist das ja völlig gleichgültig.
      Und Schwarzgeld lässt sich auch nicht nachweisen. Liegt in der Natur der Sache. ;)

  6. Ich bin seit nunmehr 10 Jahren alleinerziehend….Unterhalt bekam ich bis heute nicht einen Cent. Vor kurzem fragte ich beim Jugendamt an, ob nicht mal ein erneutes Prüfen auf Einkommen durchgeführt wird. Daraufhin sagte mir der Jugendamtmitarbeiter, dass der KV dazu aufgefordert wurde, jedoch nicht reagierte. Auf mein Kommentar, dass es doch mal nach 10 Jahren möglich sei, einen Job anzunehmen, sagte mir der Sachbearbeiter „Ja das haben Sie sich halt so ausgesucht!“ Nach dem Gespräch fühlte ich mich so gedemütigt, da er mir unverhohlen vorwarf selbst schuld zu sein und jetzt noch rumzumeckern….. Entweder war der Mitarbeiter nur Berufsverdrossen oder gänzlich frei von Lebenserfahrung und Fehlern. Nein, DAS habe ich mir nicht ausgesucht und war vor 10 Jahren so nicht absehbar! Und auch mein Kind, dem der Unterhalt verwehrt wird, hat sich das noch viel weniger so ausgesucht!

    1. Die Gefühle nach dem Gespräche kann ich sehr gut nachvollziehen!
      Besteht sonst Kontakt zwischen Vater und Kind?
      Es ist so einfach und so wahnsinnig falsch, den Vätern ihre Verantwortung zu nehmen und auf andere zu übertragen.
      Alles Gute!

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