Politik braucht Frauen – Teilnehmerin am Mentoringprogramm

Logo des Mentoring-Programms

Von 80,7 Mio. Einwohnern der Bundesrepublik ist mehr als die Hälfte weiblich, nämlich 41,2 Mio. (Männer: 39,5 Mio.)*, rund 51 Prozent.
In Bundestag, Länderparlamenten und Rathäusern spiegelt sich diese Gewichtung nicht wieder. Zahlen und Fakten weiblicher Anteil an Politik
Die Quote verbessert sich zwar von Kommunalräten bis hin zum Bundestag von einem Viertel weiblicher Mitglieder bis auf ein Drittel, doch einer echten Repräsentanz der Bevölkerungsmehrheit entspricht es nicht. Es ist Leichtsinn und pure Verschwendung, auf den Beitrag von Frauen in der Politik zu verzichten (übrigens nicht nur da!).
Das Mentoring-Programm Politik braucht Frauen ermöglicht interessierten Frauen durch einen einjährigen Crash-Kurs den Einstieg in die Politik. Die Teilnehmerinnen, Mentees, arbeiten mit einer Mentorin/einem Mentor zusammen und lernen kommunalen Politikalltag kennen.
In der Kleinstadt Barsinghausen, Mittelzentrum in der Region Hannover, ermöglicht die Partei Bündnis90/Grüne vier Frauen vor der Kommunalwahl 2016 diesen Einstieg. Minimalziel ist weitergehende parteiliche Mitarbeit, durchaus nicht ausgeschlossen ist ein Listenplatz bei der nächsten Wahl.

Kommunalpolitik in Barsinghausen

Der Höhenzug Deister (∼ 400 m ü. NHN) liegt im Süden der Stadt, mit dem Deisterkamm im Rücken blicken die Einwohner weit in die Norddeutsche (Tief-) Ebene, weitere nennenswerte geographische Erhebungen bis zur Nordsee gibt es nicht. Aus der Kernstadt und den 18 eingemeindeten Ortsteilen haben die 33.000 Einwohner somit quasi den Durchblick bis zur Nordsee.
Die Ratsmehrheit hat mit einer Stimme RotGrün, nach rund zweijähriger Vakanz wurde der Posten des Ersten Stadtrats am 15. Januar mit Georg Robra (parteilos, Herford) besetzt und der Bürgermeister heißt Marc Lahmann (CDU).

Im Rat sitzen neben dem stimmberechtigten Bürgermeister die Fraktionen CDU (12 Personen), FDP (2), SPD (12), Grüne (8), Unabhängige Wählergemeinschaft UWG (2) und die Alternative für Barsinghausen AfB (2). Die Namensähnlichkeit bei letzteren mit anderen Parteien ist tatsächlich rein zufällig! Geschlechterverteilung im Rat Barsinghausen: das statistische Viertel, s.o., 10 von 39 Räten sind weiblich.

Die Stadt lebt vom und mit dem Mittelstand und versucht, die optisch wahrnehmbare Fläche bis zur Landeshauptstadt Hannover mit möglichst umfassender Industrieansiedlung vor ihren Toren zukunftsfähig zu machen. Bördeboden, Naherholungsgebiet Steinhuder Meer bis Deister und Verkehrsknoten A2/B65 sind weitere herausragende Merkmale des Umfelds.

Inhalt und Ablauf des Mentoringprogramms 

Das landesweite Programm läuft dezentralisiert in den Kommunen der Mentorinnen. Zur Auftaktveranstaltung in Hannover trafen sich viele der 442 Teilnehmerinnen von Göttingen bis Cuxhaven im Haus der Region. Drei Rahmenveranstaltungen an elf regionalen Standorten strukturieren das Jahr und ermöglichen überkommunalen Austausch. Neben sehr viel Shadowing (der Mentorin bei ihrer politischen Tätigkeit über die Schulter schauen) steht den Teilnehmerinnen vielerorts ein Kursangebot zur Auswahl, um Handwerkszeug (Kommunalrecht, Haushalt, Rhetorik, Erwartungshaltung Bürger und Verwaltung, …) zu lernen.

Ein großartiger Nebeneffekt des Programms ist die Vernetzung engagierter Frauen aus ganz Niedersachsen, die sich, man ahnt es, sonst nie getroffen hätten.

Fraktionssitzungen, Ratssitzungen und Ausschüsse 

Als Lokaljournalistin waren öffentliche Politikverantstaltungen ohnehin ein Muss, neu ist der Besuch von Fraktionssitzungen. Wie und wann bereitet eine ehrenamtliche, politische Ratsfraktion verantwortungsvolle Themen vor? Während des Mentoringjahres stehen in Barsinghausen unter anderem folgende Themen im Blickpunkt:

  • Die Kleinstadt muss dringend die Straßen sanieren, was zum Großteil von den Anliegern selbst getragen werden soll und etliche ruinieren würde.
  • Ein nicht weiter aufschiebbarer Schulneubau kostet einen beträchtlichen Teil des gesamten Haushaltvolumens der Stadt.
  • Repowering, Windanlagen, Südlink Stromtrasse – dafür, dagegen, Alternativen?
  • Unterbringung von Flüchtlingen ohne zentrale Anlaufstelle.
  • Dauerbrenner demographischer Wandel (nur 15% U18, 55% Ü45, 25% Ü65  ->  weniger Kinder als Rentner).
  • Folgen des Haushaltskonsolidierungskonzepts, der Schuldenschnitt wirkt flächendeckend unangenehm.

Inhalt und Ablauf solcher Sitzungen sind vertraulich. Die Fraktionsmitglieder sind seit Jahren mit den Themen vertraut und gut eingearbeitet. Nicht jeder muss alle Themen behandeln, es gibt Arbeitsgruppen zu Bau, Schule, etc., deren Teilnehmer erläutern der Fraktion Fakten und Entscheidungen. Anstehende Abstimmungen der nächsten Ratssitzung oder Positionen im auch für Mentees nicht zugänglichen Verwaltungsausschuss werden von allen Fraktionsmitgliedern abgestimmt.

Motivation 

Aktuelle politische Spielregeln

Das Programm ist ein Geschenk, den aktuellen Zustand (Foto oben) zu beeinflussen. Im Großen könnten bereits getroffene politische Entscheidungen wesentlich frauenfreundlicher (und damit gesellschaftsfreundlicher!) aussehen, hätten mehr Frauen daran mitgewirkt. Aufgrund der momentanen „Spielregeln“ würde sich ohne mehr weibliche Beteiligung weiter wenig ändern, kommunal bis national, was dem Land einfach nicht länger zuträglich ist. Wer nicht mitmacht, kann nicht mitbestimmen, Demokratie eben. Demokratie
Erfahrungen mit anderen politischen Systemen und aktuelle gesellschaftliche Tendenzen in diesem Land sollten jeden mündigen Bürger ermuntern, aktiv zu werden. Sonst werden es die anderen, und das am Ende gegen das Gemeinwohl, weil es sich zu lange und zu gemütlich zurückgelehnt hat.

 

 

Fotos: Folienshots des Vortrags von Prof. Ruth Laskowski (Universität Kassel): Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an politischen Entscheidungen 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Quelle: Destatis 

Ein Gedanke zu „Politik braucht Frauen – Teilnehmerin am Mentoringprogramm

  1. Wir suchen engagierte Frauen!

    Die Gemeinschaft Freier Wähler, die zur Zeit in der Regionsversammlung der Region Hannover mit zwei Angeordneten vertreten ist, sowie in einiegen Stadt- und Gemeinderäten als Freie Wähler engagiert sind, bieten kommunalpolitisch interesierten Frauen gute Chancen.
    Wir haben – leider – auch das Problem, dass Frauen bei uns unterrepräsentiert sind. Das ist sehr schade und wir verzichten gerade auf ein enormes Potenzial.
    Wir wären sehr erfreut, wenn sich interessierte Frauen, Frauen mit Expertise in verschiedenstenThemenbereichen der Kommunen bei uns melden und ihre Mitarbeit anbieten würden. DFreien Wähler in der Region Hannover sind keine Partei und haben keine eng gefaste Ideologie, so wie die bekannten Parteien. Wir bauen auf den gesunden Menschenverstand, auf Vernunft und Sachkenntnis, die allem zugrunde liegen sollte.
    Wenn wir der Meinung sind, es nützt unserer Stadt, unserer Gemeinde, der Region Hannover, dann unterstützen wir Ideen von den Grünen bis hin zur Alternative für Deutschland.
    Ob es das Chaos um die Müllgebühren/ aha ist, ob es die neuausrichtung der berufsbildenden Schulen entgegen jedem Expertenrat ist, die Abwälzung von Straßensanierungskosten auf die Bürger, ob es um die Erbaurechte der Klosterkammer geht, um dezentrale Energieversorgung und nicht zuletzt die Trassenplanung der Südlink Megamasten. Es gibt viele Themen, die uns direkt hier in den Gemeinden betreffen. Um das alles bearbeiten zu können, brauchen wir auch Frauen, die mit ihrem Sachverstand bei uns mitarbeiten wollen und bei den Wahlen 2016 als Kandidatinnen auf unserer Liste um Stimmen kämpfen wollen.
    Also liebe Frauen, wir wollen die 50% Quote! meldet Euch und macht mit.

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