Sommerlektüre: Steckerlfisch, Kriminalroman

Von meiner Netzwerkkollegin Lisa Graf-Riemann und ihrem Co-Autor Ottmar Neuburger erschien pünktlich zur Sommersaison der neue Kriminalroman Steckerlfisch. Die namensgebende Spezialität spielt letztlich aber nur eine absolut beigeordnete Rolle – das vorab für alle, die sich um zuviel Tierkonsum Gedanken machen.

Ich durfte recht schnell nach Erscheinen reinschauen, konnte aber aus persönlichen Gründen den Zugang eine Weile nicht finden und las, wenn überhaupt, erstmal anderes.

Nur auf dem Deich oder bei Ebbe in der Tasse kein Genuss: Steckerlfisch, der Kriminalroman
Nur auf dem Deich oder bei Ebbe in der Tasse kein Genuss: Steckerlfisch, der Kriminalroman.

Realität und Fiktion mischen sich

Unsere Mutter war nach langem, schweren Leiden vor nicht allzu langer Zeit zu Hause verstorben, der greise Vater ist plötzlich nicht mehr zum selbständig geführten Leben fähig und da liegt ein Sommerkrimi, in dem Hauptkommissar Stefan Meißner seinen ungeliebten alten Onkel im Altenheim am Chiemsee besuchen soll, wo der gesamte Krimi handelt.

Realität und Fiktion, wahnwitzig nah beieinander.

Im Buch hat der alte Onkel des Hauptkommissars den Eindruck, in seinem feudalen Seniorensitz gehe es nicht mit rechten Dingen zu und das Pflegepersonal könne Hand an die Patienten legen. Zumindest verstürben auffallend viele, die eben noch bester Gesundheit waren.

In der Realität versuche ich, eine Woche Urlaub im nordfriesischen Wattenmeer zu genießen, die dringend benötigte Erholung garantieren sollte. Vielleicht auch eine bescheuerte Idee, auf einer Insel einen voralpinen Heimatkrimi lesen zu wollen?

Im Urlaub erreichen uns chaotische Meldungen, der eigene Vater pendelt zwischen Notaufnahme und Kurzzeitpflege, sein Zustand ist nicht einzuschätzen und die Kontaktpersonen aus den pflegenden Berufen wirken am Telefon deutlicher weniger herzenswarm als im persönlichen Gespräch.

Im Buch wird klar, dass tatsächlich das Personal für die Patienten lebensbedrohlich ist, ein Auswuchs pflegerischer Missstände in der Republik, unbezahlbare und oft unmenschliche Pflege und gleichzeitig ein Markt garantierter Gewinne für Betreiber. Der Krimi kolportiert, übertreibt (hoffentlich) und zeigt irre Ideen auf, wie die die angebliche Thalasso-Therapien in Rumänien.

Im Radio melden die Nachrichten in unseren Urlaub, dass der Todespfleger von Oldenburg noch viel mehr Patienten totgespritzt hat und der Fall nochmal aufgerollt wird. Und was passiert mit dem echten Vater, der verwirrt zwischen Krankenhaus und Heim pendelt?
Ungünstige Zufälle. Realität und Fiktion, wahnwitzig nah beieinander.

Alpenkrimi auf dem Deich lesen

In Steckerlfisch wird die Frage nach lebenswertem Leben im Alter aufgeworfen, und ob menschliches Ermessen darüber gerichtet werden kann. Währenddessen habe ich Sorge, dass Fremde sich nicht in dem Maß um Vater kümmern, wie ich es gerne tun würde aber aufgrund der Entfernung gerade nicht kann.

Auf dem Deich oder im Strandkorb sitze ich und versuche, mich in die bayerischen Berge an den Chiemsee zu denken. Am Staffelsee und in Garmisch-Partenkirchen war ich, ich kann mich eigentlich gut in die Szenerie versetzen. Eigentlich.
Selten ist es mir so schwer gefallen, ein Buch zu lesen, welches gut und leicht zu lesen ist, aber in das ich mental nicht einsteigen konnte. Daher erlaube ich mir diese persönliche Sicht.

Es ist mir erst gelungen, den Krimi genüsslich zu Ende zu lesen, als ich wieder zu Hause war und sah, dass auch unser Vater seinen Heimaufenthalt und das Krankenhaus in bestmöglichem Zustand verlassen konnte.

Prädikat lesenswerter Sommerkrimi

Steckerlfisch liest sich gut und malt wunderschöne Bilder des sommerlichen Chiemgaus aufs Sofa oder ins Bett. (Wo man eben zu lesen pflegt, nur Strandkorb klappt nicht, finde ich.) Schrullige Personen, unsere alternde Gesellschaft, ab und an ein Hauch Erotik und eben nicht die Frage nach dem Täter, sondern danach, wieviele und welche Opfer es noch gibt, garantieren einige Stunden sommerlicher Lesefreude.

Lisa Graf-Riemann, Ottmar Neuburger

Steckerlfisch

Kriminalroman

Broschur

13,5 x 20,5 cm

336 Seiten

ISBN 978-3-95451-817-3

Euro 11,90 [D] , 12,30 [AT]

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